Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V. (VSB)

Köln, 28. Juli 2017

Die Reserve in den deutschen Streitkräften

Vor dem Hintergrund eines Wandels der politischen Lage in Europa werden und wurden sicherheitspolitische Grundlagen neu überdacht. Nach dem weit über ein Jahrzehnt der Fokus für die Bundeswehr auf Einsätzen mit Missionscharakter – wie z.B. im Kosovo, in Afghanistan, oder am Horn von Afrika – lag, rücken Szenare von der Krim und aus der Ostukraine die Landesverteidigung wieder stärker in den Mittelpunkt. Diese war in der Vergangenheit nicht ohne Reservisten zu realisieren und wird es auch in der Zukunft nicht sein. Von daher beschäftigen sich verschiedene Gruppen in der Gesellschaft mit dem Thema einer Erstarkung der Reserve für die Bundeswehr.
So hatte der Landesvorsitzende des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik der CSU (ASP), MdB Florian Hahn, am 27. Juli 2017 zu einem hochkarätig besetzten Expertengespräch zum Thema "Die Reserve in den deutschen Streitkräften" eingeladen. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Reservisten in der Deutschen Bundeswehr e.V., MdB Tobias Zech, wusste mit einem prägnanten Impulsvortrag ganz besonders für das Thema zu sensibilisieren. Im Rahmen der sich anschließenden Diskussion gaben der Kommandeur des Landeskommandos Bayern, General Helmut Dotzler, sowie der Leiter des Karrierecenters München, Oberst Wilhelm Neißendorfer Einblicke zur derzeitigen Lage des Reservedienstes.
Demnach gäbe es neben ca. 30 000 beorderten Reservisten derzeit ca. zwei Millionen ehemalige Soldaten, die rein rechtlich in den Reservedienst berufen werden könnten. Ebenso rechtlich könne jedoch jeder aktive Soldat nach seinem Ausscheiden formell sein Nicht-Interesse am Reservedienst anzeigen. Nach Wegfall der Wehrpflicht besteht die Herausforderung darin, das entlassene Personal für einen nachhaltigen Reservedienst zu gewinnen. Aber auch "ungediente" Interessierte könnten zukünftig mehr und mehr für die Regeneration der Reserve in Betracht kommen. So wurde die Idee einer "Cyber-Reserve" eingehend diskutiert, da hier körperliche Voraussetzungen oder soldatische Fähigkeiten eine mutmaßlich untergeordnete Rolle spielen würden.
Die Gestaltung von Anreizen für Reservedienstleistende speziell in Mannschaftsdienstgraden, Nutzung vorhandener Qualifikationen im Dienstbetrieb der Bundeswehr sowie die grundsätzliche Bedeutung des Reservedienstes als Bindeglied zur Gesellschaft wurden eingehend erörtert. Die Einführung einer generellen Dienstpflicht - zum Beispiel als "soziales Jahr", bei Feuerwehr, Technischem Hilfswerk oder eben als Reservedienstleistender - sei sicher ein interessanter Lösungsansatz, träfe jedoch derzeit auf Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz. Ziel solle es jedoch zumindest sein, die Reserve der Streitkräfte wieder zunehmend in den Fokus der Gesellschaft zu rücken und eine "emotionale Mobilisierung" zu erreichen.
Für den Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V. (VSB) nahmen Oberstleutnant Thomas Huhndorf als Bereichsvorsitzender Süd sowie der Landesgruppenvorsitzende Bayern Hauptmann Meik Rosenberger an dem erstmals einberufenen Expertengespräch teil. Es wurde vereinbart, das Forum in regelmäßigen Abständen zu wiederholen.
Die Beauftragten des VSB danken an dieser Stelle für die Einbeziehung in die Expertenrunde. Der VSB wird sich weiterhin intensiv an der Gestaltung der sicherheitspolitischen Grundlagen beteiligen und für die Optimierung der Ausbildung sowie der Ressourcenlage einsetzen, um eine unverzichtbare starke Reserve zu gewährleisten.

CSU

Foto: Bundeswehr

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