• Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V.

Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V. (VSB)

Bonn, 29. März 2018

Was ist für die Bundeswehr sinnstiftende Tradition und was nicht? Diese Frage war nicht leicht zu beantworten. In monatelanger Detailarbeit, unter Beteiligung der Verbände und vielen Experten innerhalb und außerhalb der Bundeswehr, wurde sich mit dieser Thematik auseinander gesetzt. Das Ergebnis: ein sehr ausgewogenes und tragfähiges Dokument – die „Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr“, kurz: der Traditionserlass.
Dieser wurde am 28.03.2018 durch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in einem würdevollen Rahmen in Hannover gezeichnet und löste damit den „alten“ Traditionserlass aus der Zeit des „Kalten Krieges“ ab. Nach einem ersten Erlass, herausgegeben durch den damaligen Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel im Jahr 1965 und der Novellierung durch Verteidigungsminister Hans Apel 1982 hatte sich zuletzt Manfred Wörner 1991 für eine Fortschreibung eingesetzt. Diese fand jedoch in dem Versuch, Persönlichkeiten der Wehrmacht aufgrund ihrer Bewährung und soldatischen Leistung für traditionswürdig zu erklären, keine Zustimmung. Rückblickend gewinnt demzufolge der heutige Tag eine geschichtlich bedeutsame Dimension.
Oberstleutnant Jörg Ehrich und Hauptmann Kai Matschullis nahmen als Vertreter des VSB an dem Ereignis teil und nutzten die Gelegenheit für ein erstes Kennenlernen des neuen Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Peter Tauber. In einem vorgeschalteten Podiumsgespräch, an dem u.a. der amtierende Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, teilnahm, wurde die Bedeutung des Erlasses und der notwendigen Auseinandersetzung mit dem Thema Tradition einem breiten Plenum verdeutlicht. Die Bundeswehr kann seit Ihrer Gründung selbst auf einen „umfassenden Strauß“ sinnstiftender Tradition zurückblicken. In diesem Kontext wurde „die Innere Führung“ mehrfach als prägendes Element unserer Streitkräfte genannt. Ansonsten müsse man immer im Einzelfall bewerten, ob Aspekte aus anderen Epochen beispielgebend sein können, z.B. der Mut zum Widerstand gegen Unrecht. Pauschalierungen sind in jedem Falle fehl am Platze. Dies ist eine wichtige Erkenntnis und betont den notwendigen Diskurs „in der Truppe“ zu diesem Thema. Dieser soll durch eine entsprechende Kommunikation und Schulung der Soldatinnen und Soldaten belebt werden.
Der Zeichnung des Traditionserlasses schloss sich die Umbenennung der „Emmich-Cambrai-Kaserne“ in Hannover in die „Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne“ im Rahmen eines militärischen Zeremoniells an. Bemerkenswert ist, dass die Initiative von der dort ansässigen Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr selbst ausging. Die Wahl zur Namensgebung fiel schnell auf den im Einsatz in Afghanistan gefallenen Feldjäger Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein, der 2011, im Auftrag zum Personenschutz für den damaligen Kontingentführer Generalmajor Kneip, bei einem Sprengstoffanschlag im Alter von 31 Jahren sein Leben verlor. In Anwesenheit der Familienangehörigen würdigten sowohl der Schulkommandeur als auch Verteidigungsministerin von der Leyen in Ihren emotionalen Ansprachen die vorbildliche Haltung und Pflichterfüllung als beispielgebend.
Fazit: als Staatsbürger in Uniform ist es für unsere Soldatinnen und Soldaten wichtig, sich stets kritisch mit dem Thema Tradition auseinanderzusetzen. Nur durch eine offene Aussprache lässt sich die Meinungsbildung schärfen und ein „falsch verstandenes Traditionsverständnis“ ausräumen. Dies zu fördern ist eine Führungsaufgabe! Das Verständnis den Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln jedoch eine politische.

 

Unterschrift Traditionserlass

Unterschrift Traditionserlass

Unterschrift Traditionserlass

Unterschrift Traditionserlass

Fotos: VBB, Cora Nixtatis