• Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V.

Gut 70 Jahre hat es auf deutschem Boden keinen Krieg mehr gegeben. Die letzten noch lebenden Veteranen des 2. Weltkriegs sind Mitte achtzig Jahre alt und älter. Ein „Veteran“ ist im üblichen Sprachgebrauch jemand, der (besonders beim Militär) altgedient ist, sich in langer Dienstzeit oder im Kriegseinsatz bewährt hat – so die Beschreibung des „Duden“. In den letzten Jahren bezeichnen sich in Deutschland aber auch deutlich jüngere Menschen als Veteranen. Die aktuellen Auslandseinsätze der Bundeswehr jedoch als „Krieg“ oder „Kriegseinsatz“ zu bezeichnen hat sich die deutsche Politik lange geziert, nannte sie eher „Stabilisierungseinsätze“, „robuste Einsätze“, „bewaffnete Konflikte“ oder „kriegsähnliche Zustände“.

Im Jahr 2010 gründeten sich gleich zwei Veteranenverbände: Der „Deutsche Veteranenverband“ löste sich jedoch bereits Ende 2012 wieder auf. Der „Bund Deutscher Veteranen (BDV)“ wurde ursprünglich in Ergänzung zur „Deutschen Kriegsopferfürsorge (DKOF)“ für gesundheitlich unbelastete Soldatinnen und Soldaten gegründet: „Wir definieren uns als die ‚jungen Veteranen‘ und verstehen darunter eine Soldatin oder einen Soldaten der Bundeswehr, die oder der in einem Auslandseinsatz eingesetzt war.“ Anfang 2016 benannte sich der BDV in „Bund Deutscher Einsatzveteranen“ um und beschreibt auf der Homepage seine Hauptaufgabe als „nachhaltige Sicherung der Versorgung und die Verbesserung der Betreuung für einsatzbelastete Veteranen der Bundeswehr“ sowie derer Familien. Ende 2014 kam für diese Zielgruppe noch ein weiterer Verband mit international anmutendem Anspruch hinzu (wobei der Name auch Gefechtserfahrung vermuten lässt): „Combat Veteran“.

Der Reservistenverband bekennt sich in seiner Satzung von 2015 zur umfassenden „Vertretung der Interessen der Reservisten und Veteranen der Bundeswehr“ – ohne dass „Veteran“ weiter erläutert wird.

Diese begriffliche Unschärfe rührt wohl daher, dass eine offizielle Begriffsbestimmung der Bundeswehr für „Veteran“ bislang nicht vorlag. „Veteran“ meint nach dem Selbstverständnis der Veteranenverbände und dem Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in erster Linie physisch und psychisch Einsatzversehrte. Diese Neuauslegung der Bezeichnung könnte aber auch als Euphemismus, also das Schönreden oder die mildernde Umschreibung eines unangenehmen Sachverhalts mit einer anderen Begrifflichkeit, erkannt werden.

Der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière brachte 2013 als seinen Vorschlag in die Diskussion ein: Veteran oder Veteranin sei, "wer ehrenhaft aus dem aktiven Dienst in der Bundeswehr ausgeschieden ist und als Angehöriger der Bundeswehr im Ausland an mindestens einem Einsatz oder einer besonderen Verwendung im Rahmen von humanitären, friedenserhaltenden oder friedensschaffenden Maßnahmen teilgenommen hat."

Schwachpunkte dieses Definitionsversuchs bestehen darin, dass zum einen für „ehrenhaft aus dem aktiven Dienst in der Bundeswehr“ ausgeschiedene Soldatinnen und Soldaten bereits der Begriff „Reservistin“ bzw. „Reservist“ etabliert ist (auch zivile Bundeswehrangehörige, z.B. der Truppenverwaltung, nehmen als Reservisten an Auslandseinsätzen teil!), zum anderen bereits aus der Bundeswehr entlassene Soldatinnen und Soldaten im Rahmen des Einsatz-Weiterver-wendungsgesetzes mit einer Schutzzeit (und ggf. Übernahme in das Verhältnis eines Berufssoldaten) als Soldatin oder Soldat in einem besonderen Dienstverhältnis weiterbeschäftigt werden. Daraus resultierende juristische Fragestellungen und eventuelle Folgerungen für den Veteranenstatus könnten dazu beigetragen haben, dass der Diskussionsprozess auch von ministerieller Seite her ins Stocken geraten war.

Die Veteranenverbände reklamieren für sich weiterhin eine Deutungshoheit des Begriffs „Veteran“. Kritische Anmerkungen dazu werden von einigen Verbandsvertretern - oft emotional gefärbt - mit „mangelnde Fach- und Sachkenntnis“ zurückgewiesen oder aber Kritikern bei fehlender eigener Auslandseinsatzerfahrung ein Mitspracherecht pauschal aberkannt. Eine sachliche Auseinandersetzung wird dadurch jedoch verhindert.

Überraschend legte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen im November 2018 eine weit gefasste Definition vor, die zuvor mit Spitzenvertretern des Reservistenverbands und des Bundeswehrverbands abgestimmt wurde: „Veteranin oder Veteran der Bundeswehr ist, wer als Soldatin oder Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist, also den Dienstgrad nicht verloren hat.“

Damit wurden plötzlich etwa 10 Millionen Deutsche zu Veteraninnen oder Veteranen erklärt. Kritik an dieser Begriffsbestimmung ließ nicht lange auf sich warten: Zum einen wurde erstaunt zur Kenntnis genommen, dass auch sämtliche aktiven Soldatinnen und Soldaten (nicht aber die Zivilbeschäftigten) der Bundeswehr nun „Veteranen“ seien. Zum anderen ergibt sich als Irritation für ehrenhaft ausgeschiedene Soldatinnen und Soldaten, ob sie nun „Reservistin“ bzw. „Reservist“ oder doch „Veteranin“ bzw. „Veteran“ sind. Somit dürfte die notwendige Akzeptanz dieser Definition zunächst noch schwierig sein. Abzuwarten bleibt, welche Vorschläge nun auf Anweisung der Ministerin erarbeitet werden, „wie die Würdigung der Veteranen weiter ausgestaltet werden kann.“ Vielleicht lassen sich in diesem Prozess noch Präzisierungen der Bezeichnung festschreiben.

Kontrastierend zur ministeriellen Definition lässt sich zum gegenwärtigen Stand festhalten, dass „Veteran“ eher eine Reservistin bzw. einen Reservist mit Einsatzerfahrung meint, die bzw. der eine körperliche oder seelische Verwundung erlitten haben kann (aber nicht muss!). Während „Veteran“ im ursprünglichen Sinn ein dauerhaftes Ausscheiden aus dem Dienst einer Armee impliziert, üben zahlreiche ehrenhaft aus der Bundeswehr ausgeschiedenen Zeit- und Berufssoldaten mit besonderer Auslandseinsatzerfahrung als Reservistin oder Reservist regelmäßig aber weiter in der Truppe und gehen oft - aufgrund ihrer Erfahrungen und Spezialkenntnisse (z.B. auch aus der Truppenverwaltung) - erneut mit in Auslandseinsätze: Reservistin oder Reservist (mit Einsatzerfahrung) wäre somit der treffendere Begriff. Einsatzfolgeerkrankungen und Verwundungen sollten als solche bezeichnet werden, Betroffene brauchen fachlich gute Unterstützung und Behandlung sowie uneingeschränkte Solidarität der Gesellschaft.

Als Veteran könnte daher präziser bezeichnet werden, wer ehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen worden ist und (aus welchen Gründen auch immer) nicht mehr für Wehrdienstleistungen zur Verfügung steht. (Dipl.-Psych. Dr. Matthias Witt-Brummermann, Oberstleutnant d.R.)


Veteranen

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