• Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V.

Sehr verehrte Frau Bundesministerin,
wie wir aus den Medien entnehmen können, beschäftigt sich das Bundesverteidigungsministerium u.a. mit der Thematik geschlechterspezifische Dienstgrade in der Bundeswehr einzuführen.
Bedingt durch die aktuelle Situation ist der Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V. (VSB) durch zahlreiche Kameradinnen gebeten worden, in der Angelegenheit "Keine Verweiblichung von Dienstgraden" tätig zu werden.
Ihre Amtsvorgängerin hatte zuvor davon abgesehen, geschlechterspezifische Dienstgrade einzuführen. Umfragen haben im Jahre 2014 ergeben, dass eine überwältigende Mehrheit der rund 22.000 Soldatinnen sie auch ablehne. Eine Einheitlichkeit bei den Dienstgradbezeichnungen präferieren 86 % der Frauen. Auch in sozialen Netzwerken wenden sich Soldatinnen und Reservistinnen dagegen, ihre Dienstgrade zu gendern.
Eine durch den VSB durchgeführte Stichprobe ergab, dass über 90 % der Soldatinnen und Reservistinnen gegen die Einführung gegenderter Dienstgrade sind!
Ferner verweisen wir auf unsere stellvertretende Bundesvorsitzende des VSB, Frau Oberstleutnant Matura, die Ihnen nachfolgend Ihre Gedanken und persönlichen Erfahrungen als Hintergrundinformationen zu obiger Thematik zur Verfügung stellen möchte:
"2002 in die Bundeswehr eingestiegen - nachdem ich in alter Familientradition ein reines Mädchengymnasium besucht hatte - war ich mir bewusst nun eine nahezu reine Männerdomäne zu betreten. Jedoch hatte dies bei meiner Entscheidung, Soldatin der Bundeswehr zu werden, gar keine Rolle gespielt. Es folgten unzählige Sonderbehandlungen und -erwähnungen, die ich auf die Verunsicherung der Truppe und der Vorgesetzten zum plötzlichen Umgang mit Frauen in der Bundeswehr zurückführte.
Sonderbehandlungen und - erwähnungen in Form von Übervorsicht und der permanenten Betonung des Vorhandenseins von Frauen im Dienstbetrieb, die ich als völlig unnötig und störend empfand. Umso positiver empfand ich die in den folgenden Jahren erfolgende "Gewöhnung" des "Gesamtsystems" Bundeswehr an Soldatinnen. Vor Allem in den Auslandseinsätzen zählten nach meiner Wahrnehmung einzig und allein die Leistung für das jeweilige Aufgabengebiet und die Verantwortung für das vor Ort befindliche Personal.
Ich würde behaupten, dass - bis auf wenige Ausnahmen - Soldatinnen in der Bundeswehr mittlerweile zur Normalität geworden sind. Diese Normalität haben sich die Soldatinnen jedoch durch ihre Leistungen, ihr Engagement, Verhalten und Durchhaltevermögen hart erarbeitet. Soldatinnen der Bundeswehr möchten einfach nur - den Kameraden gleich - ihren Auftrag und ihre Aufgaben bestmöglich erfüllen.
Meine Auffassung ist, dass es innerhalb von Armeen keiner Sonderbehandlung einzelner Gruppen von Soldaten oder Soldatinnen braucht. Im Gegensatz dazu sind Werte wie Zusammenhalt und bedingungsloses Vertrauen in Extremsituationen das höchste Gut der Kameradschaft, das über eine lange und / oder sehr intensive gemeinsame Zeit entsteht.
Die Verwendung derselben Dienstgrade tragen aus meiner Sicht wesentlich zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls bei. Eine erneute Sonderbehandlung von Soldatinnen in Form von weiblichen Dienstgraden würde dem System Bundeswehr aus meiner Sicht daher mehr schaden als dass es dienlich sein könnte.
Ich persönlich möchte in unserer Entwicklung nicht in das Jahr 2002 zurückversetzt werden.
Sollte die Erschaffung weiblicher Dienstgrade nicht mehr verhindert werden können, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass diese keinen despektierlichen Klang erhalten. Frau "Feldwebelin", Frau "Fahnenjunkerin", Frau "Majorin" - wir möchten nicht, dass unsere Dienstgrade lächerliche (gem. Definition) oder verniedlichende Assoziationen hervorrufen - denn wir stehen für unsere Leistung!" Sehr verehrte Frau Bundesministerin, wir bitten Sie inständig, sich gegen eine Einführung separierter Dienstgrade zu entscheiden.
Vielen herzlichen Dank und bleiben Sie gesund!

Weibliche Dienstgrade

Foto: VSB