Berlin, 11. November 2025

Bundestag berät über Neuausrichtung des Wehrdienstes – VSB fordert Wehrerfassung jetzt, allgemeine Dienstpflicht und Reform des Status SaZ

Mit der am 10.11.25 stattgefundenen öffentlichen Anhörung im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages hat die Debatte über die Zukunft des Wehrdienstes in Deutschland eine neue Qualität erreicht. 

Der Verband der Soldaten der Bundeswehr (VSB) begrüßt ausdrücklich, dass Politik, Verbände, Wissenschaft und Jugendvertretungen gemeinsam über die sicherheits- und gesellschaftspolitische Dimension des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes (WDModG) beraten. Erstmals wurden auch Jugendorganisationen im Verteidigungsausschuss angehört. Ihre Perspektiven machen deutlich, dass zivile Dienste, Wehrdienst und gesellschaftliches Engagement gemeinsam gedacht werden müssen – nicht als Pflicht einzelner, sondern als gemeinschaftlicher Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Hintergrund: Worum es im Wehrdienst-Modernisierungsgesetz geht

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, die Strukturen der Wehrerfassung und Musterung wieder aufzubauen, um ein realistisches Lagebild über das verfügbare Personal zu schaffen. Ab 2026 sollen junge Männer ab dem 18. Lebensjahr eine verpflichtende Bereitschaftserklärung abgeben, ab Juli 2027 soll wieder die Musterung ganzer Jahrgänge erfolgen. Der „Neue Wehrdienst“ soll grundsätzlich auf Freiwilligkeit beruhen, erlaubt der Bundesregierung jedoch, bei Bedarf durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundestages eine verpflichtende Einberufung zum Grundwehrdienst anzuordnen. Ziel ist eine deutlich verbesserte Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte und eine gesamtstaatlich organisierte Verteidigungsfähigkeit.

Stimmen aus der Anhörung Wissenschaftliche Perspektive:

Prof. Dr. Sönke Neitzel (Universität Potsdam) unterstrich die Dringlichkeit einer grundlegenden Personalstrukturreform und kritisierte den Gesetzentwurf als „zu langsam und unzureichend eingebettet in flankierende Maßnahmen“ Er fordert eine deutliche Verjüngung der Truppe, eine Entkopplung von Verwaltungsstrukturen und einen gezielten Umbau der Dienstgradverteilung.

Deutscher BundeswehrVerband (DBwV):

Der Bundesvorsitzende Oberst André Wüstner unterstützte die Wiedereinführung der Wehrerfassung und Musterung als „überfällig und ohne plausible Alternative“. Besonders bemerkenswert: Der DBwV übernimmt zentrale VSB-Forderungen zur Reform der Laufbahnmodelle und Personalstruktur. Wüstner betont die Notwendigkeit eines „Artikelgesetzes Aufwuchs“, das neue Dienst- und Laufbahnmodelle, eine eigene Besoldungsordnung für Soldatinnen und Soldaten sowie den Abbau der Kopflastigkeit vorsieht. „Ohne ein entsprechendes Artikelgesetz wird der notwendige und vor allem zeitgerechte personelle Aufwuchs scheitern.“ Damit greift der DBwV exakt jene Punkte auf, die der VSB bereits in seiner Personalkonzeption als Schlüssel zur Reform des Dienstrechts und zur Attraktivitätssteigerung des Soldatenberufs formuliert hat.

Jugendorganisationen: 

Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) und die Bundesschülerkonferenz (BSK) mahnten an, dass junge Menschen bislang nicht ausreichend in den Gesetzgebungsprozess eingebunden wurden. Beide Organisationen forderten mehr Mitsprache und ein modernes Verständnis von gesellschaftlicher Verantwortung. Sie warnten davor, junge Menschen einseitig als „verfügbare Ressource“ zu behandeln, und betonten, dass Sicherheitspolitik generationengerecht und verhältnismäßig gestaltet werden müsse.

Die Positionen des VSB

  1. Wehrerfassung und Musterung jetzt – nicht erst 2027: Der VSB fordert, die vorgesehenen Maßnahmen zur Wehrerfassung sofort umzusetzen. Eine moderne Verteidigungsplanung braucht belastbare Daten – und zwar jetzt, nicht in zwei Jahren.
  2. Allgemeine Dienstpflicht – für mehr Zusammenhalt und Resilienz: Der VSB setzt sich für die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ein, die militärische, zivile und soziale Dienste gleichwertig stellt. Eine solche Pflicht stärkt die gesellschaftliche Resilienz, fördert den Gemeinschaftssinn und verteilt Verantwortung gerecht über alle Bevölkerungsgruppen.
  3. Status „Soldat auf Zeit“ – überdenken und reformieren: Der bisherige SaZ-Status ist weder zeitgemäß noch attraktiv. Der VSB fordert eine grundlegende Reform der Laufbahn- und Besoldungsmodelle, mehr Durchlässigkeit zwischen Laufbahnen und bessere Vereinbarkeit von Dienst, Familie und ziviler Karriere. Die Tatsache, dass der DBwV diese VSB-Forderung nun teilt, zeigt den breiter werdenden Konsens für strukturelle Erneuerung innerhalb der Bundeswehr.

Fazit

Die Anhörung hat gezeigt: Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ist nur der Auftakt. Erforderlich ist eine Gesamtstrategie, die Wehrdienst, Personalentwicklung und gesellschaftliche Verantwortung verbindet. Der VSB wird diesen Prozess weiter konstruktiv begleiten – kritisch, unabhängig und mit klaren Konzepten für eine moderne, zukunftsfähige Bundeswehr. (ML) 

Bild: VSB

Wir bleiben dran „Miteinander - Füreinander"
Verband der Soldaten der Bundeswehr e.V.

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